Kunstharz


Kunstharz ist das chemische Pendant zum natürlichen Harz, dem Baumharz. Da dieser Rohstoff nicht unbegrenzt gewonnen werden kann, wurde für die industrielle Fertigung Kunstharz entwickelt. Die Einsatzmöglichkeiten sind weitaus vielfältiger, als man denkt.

Geschichte von Kunstharz




KunstharzCarl Heinrich Meyer entwickelte das erste Kunstharz für technischen Einsatz im Jahre 1902. Es war das Phenol-Formaldehydharz mit dem Namen Laccain, welches als Ersatz für den natürlichen Werkstoff Schellack diente. Das erste duroplastische Phenolharz Bakelit entstand 5 Jahre Später durch Leo Hendrik Baekeland. Er entdeckte die Eigenschaften durch Hitze und Druckpatent. 3 Jahre später meldeten die Doktoren Kurt Albert und Ludwig Berend das erste Lackkunstharz aus Phenolen und Formaldehyd, die Albertole, die öllöslich waren und vor allem als Autolack für Furore sogten. Auch heute noch werden viele Kunstharze weiterentwickelt und modifiziert.

Anwendungsmöglichkeiten von Kunstharz

Kunstharz ist eines von vielen chemisch hergestellten Harzen. Es wird zur Veredlung oder Versiegelung von Oberflächen und zur Herstellung von Formen verwendet. Da es stabilisierende und adhäsive, also haftende Eigenschaften besitzt, eignet es sich ebenso für die Produktion von Klebstoff und Leim.

Verschiedene Harze finden wir in der Schaumstoffherstellung, als Imprägnierharz z. B. bei Motoren oder als Ionenaustauscher. Es ist Bestandteil als Gießharz von Vergussmassen und kommt auch bei der Produktion von glasfaserverstärktem oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff zum Einsatz. Ebenso finden wir natürliche oder chemisch produzierte Harze bei Pressverfahren, bei der Fertigung von Werkstoffen aus Holzfasern, es wird als Acrylharz in Beschichtungen oder Lacken genutzt und Harz ist auch Bestandteil von Polymerbeton.

Mit Harzen werden auch Injektionen in den Baugrund durchgeführt, damit nach eienr Setzung das Gebäude oder sein Fußboden nachträglich angehoben werden kann. Zahntechniker benötigen Harze für die Herstellung von Zahnprothesen, die Pharmaindustrie greift auf diese Stoffe bei der Produktion von Injektionspräparaten zurück. Von geologischen Strukturen werden so genannte Lackabzüge gefertigt, wo das Harz ebenfalls eine große Rolle spielt. Nicht zuletzt dienen Harze als Brennstoff für Lampen und Kerzen und sie verbessern die Handhabung des Balles, beispielsweise beim Handball.

Eigenschaften von Kunstharz



In der Industrie zählen die Kunstharze zu den Kunststoffen. Wie für alle Stoffe in Deutschland gibt es auch für das chemische Harz eine DIN. Es ist die DIN 55958, die seit Dezember 1988 besteht. Danach werden die Kunstharze auch als Reaktionsharze bezeichnet. Die synthetische Herstellung beruht auf diversen chemischen Reaktionen, wie die Polymerisation, Polyaddition oder Polykondesation. Natürliche Harze können diese synthetisch hergestellten Stoffe modifizieren. Aber auch eine Verseifung oder Veresterung von natürlichen Harzen führt zu Kunstharz.

Der Werkstoff enthält zwei Hauptbestandteile, wobei durch Harz und Härter eine Harzmasse entsteht, die chemisch reagieren kann. Im Verlauf der Härtung erhöht sich die Viskosität. Nach Beendigung des Verfahrens entsteht ein Kunststoff, der nicht mehr eingeschmolzen werden kann, d. h. der duroplastisch ist. Synthetisch produzierte Harze sind fest amorph oder flüssig. Sie haben keinen Schmelzpunkt.

Kunstharz wird oft im Gussverfahren verwendet und als Gießharz in eine Form gegossen. Dabei wird oft ein hoher Druck notwendig, um diese Formen komplett zu füllen. Auch als Emulsionen oder Suspensionen kann man Kunstharz finden.